Wenn Zolchow Einsamkeit beschreibt, wirkt das trotz der Erd- und Ockerfarben nie larmoyant, sondern kraftvoll. Werden dann noch Linien brachial durch die Fläche gezogen oder zu Liniengerüsten verdichtet, erwacht zusammen mit dem Farbspektrum abseits aller Gefälligkeit ein Klang trotziger Melancholie.
Christoph Tannert
Verletzte Fläche
Die Farbe sickert durch den Grund und verkrustet an der Luft.
Der Grund dringt durch die Farbe und verletzt sie.
Man kann Stufen hochsteigen oder hinab.
Das Blut fließt wie Farbe. Die Farbe fließt wie Blut.
Die große, graue, hoffnungslose Stadt birgt Hoffnung.
Farbe ist nicht politisch. Form ist nicht gesellschaftskritisch.
Das spontane Gefühl zerreißt die Wirklichkeit.
Wir träumen: keine Geschichte, oder jeder eine andere.
Wenn das Geheimnis gewahrt wird, schärft uns das Bild den Blick.
Herbert König
Die Werke von Heiko Zolchow können distanzierend wirken, ihre Kratzbürstigkeit ist nicht einladend. Aber dann gibt es wieder Strichlagen hoher emotionaler Intelligenz und Wärme. Dieser Künstler war sich seiner selbst bewusst, gerade in den eigensinnigsten Momenten. Jeder Strich ein Energieausstoß, hinter jedem zweiten Strich eine Dagegen-Setzung. Statusmeldungen, Überraschungen, Härte, die Sehnsucht nach einem Versteck.
Christoph Tannert
Einundvierzig Postsachen von Heiko kamen im Verlauf eines Jahres an, Mail Art, antworten musste ich nicht, sie sind wie die langen Autofahrten mit ihm schier endlose Monologe über den Alltag, die Arbeit, das Leben, amüsant, bunt, mit überraschenden Entdeckungen, plötzlichen Wendungen, manchmal trist, einfarbig, mit Briefmarken versehen und an die Lychener Straße 17 geschickt.
Reinhard Kretzer


















